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Handlungsfelder

Auf Basis von Erkenntnissen aus Forschung und Wissenschaft sowie aufgrund aktueller wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen hat der Rat für Robotik und KI vier wesentliche Handlungsfelder bestimmt, die einer Strategie für Robotik und KI zugrunde liegen sollen.


Technologie, F&E und Wirtschaft

Damit Österreich weiterhin wettbewerbsfähig und „zukunftsfit“ bleibt, sind Rahmenbedingungen erforderlich, die es Unternehmen erlauben, im weltweiten Wettbewerb erfolgreich zu sein. Um am internationalen Markt bestehen zu können, müssen Unternehmen im Hochlohnland Österreich kreative Nischen besetzen und bereits vorhandene Stärken weiter ausbauen.

Zukünftig ist zu erwarten, dass Robotik und KI-Technologien in unterschiedlicher Ausprägung in nahezu allen Lebensbereichen Einzug halten werden.

In allen Roboteranwendungsbereichen werden signifikante Zuwachsraten vorhergesagt, wobei vor allem bei „sozialen Robotern“ sehr starke Zuwächse zu erwarten sind. Damit sind allerdings auch etliche Gefahren verbunden.

Auf Rat vom Rat

Der Rat empfiehlt daher gezielte staatliche Investitionen und Maßnahmen zur Innovationsförderung in Robotik und KI-Technologien sowie in die Sicherstellung der Infrastruktur zur Nutzung dieser Technologien. Auch die Frage der Nutzung von Daten, die von öffentlicher Hand gesammelt werden – etwa Gesundheitsdaten, die für Forschungszwecke zugänglich gemacht werden – zu diskutieren und eine geeignete Strategie zu entwickeln, die die schutzwürdigen Interessen von BürgerInnen berücksichtigt.

Der Rat empfiehlt, möglichst rasch Schlüssel-Anwendungsbereiche, relevante Technologiefelder und künftige Schwerpunkte im F&E-Bereich zu identifizieren und dabei darauf zu achten, dass Investitionen eine rasche Umsetzung und Realisierung von Robotik- und KI-Potenzialen erlauben und schnelle Lernprozesse ermöglichen.


Arbeitswelt und Qualifizierung

Roboter und KI-Systeme können zunehmend komplexe kognitive Tätigkeiten durchführen, die bisher dem Menschen vorbehalten waren. Die auf allen Ebenen – also Mensch, Maschine, Unternehmen, Gesellschaft bzw. Staat – intensivierte Vernetzung und die Verschmelzung virtueller und physischer Prozesse verändern Lebens- und Arbeitssituationen und erfordern neue Denkmuster, Arbeitsweisen, Kooperationsfähigkeiten und Qualifikationen.

Dies beginnt mit entsprechenden Basiskompetenzen der breiten Bevölkerung im Umgang mit digitalen Technologien und reicht bis hin zu spezifischen Fachkenntnissen betreffend Entwicklung, Nutzung und Optimierung intelligenter Maschinen für den jeweiligen Einsatzzweck.

Darüber hinaus werden Innovation und Kreativität, Logik und Verständnis für Zusammenhänge im Gegensatz zu reinem Faktenwissen vermehrt an Bedeutung gewinnen. Gerade an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine sowie bei der Bewertung, Auswahl und Vermittlung von Ergebnissen, die durch digitale Assistenzsysteme erstellt werden, spielen Empathie, soziale Kompetenz, kulturelles Verständnis und Kommunikationsfähigkeiten eine immer wichtigere Rolle.

Auf Rat vom Rat

Im Zentrum steht die Frage, wie die positiven Potenziale für Arbeitsmarkt, Arbeitsbedingungen der ArbeitnehmerInnen, Arbeitsorganisation und Einkommensentwicklung adressiert werden können.

Derzeit ist noch unklar, welche konkreten Auswirkungen Robotik und KI auf die Zukunft der Arbeit haben werden. Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass vor allem einfache körperliche Tätigkeiten, die sich gut mit Robotik und KI abbilden lassen, innerhalb des wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmens von technischen Systemen übernommen werden.

Durch Robotik und KI werden einerseits Arbeitsplätze für gut ausgebildete Menschen geschaffen, für die vor allem analytische Fähigkeiten, kreative Intelligenz und soziale Fähigkeiten erforderlich sind. Andererseits wird es aber auch eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geben, die einfache, manuelle Tätigkeiten umfassen, für die sich eine Automatisierung wirtschaftlich nicht lohnt.

Es wird erforderlich sein, im Handlungsfeld Arbeitswelt Maßnahmen zu entwickeln, um die Veränderungen zu bewältigen.


Gesellschaft und Recht

Der zunehmende Einsatz von Robotern und KI-Systemen ist aus gesellschaftlicher Perspektive sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden. Chancen könnten etwa in der Nutzung solcher Systeme als unterstützende Werkzeuge liegen – etwa um mechanisch-repetitive Tätigkeiten – etwa Reinigung – zu übernehmen; oder um anstrengende körperliche Arbeiten durch Exoskelette zu erleichtern; um Menschen mit Beeinträchtigungen oder in höherem Alter eine selbstständige Lebensweise zu ermöglichen – etwa durch selbstfahrende Autos oder Service-Roboter; oder um nachteiligen Effekten sozialer Isolation entgegen zu wirken.

Risiken liegen u.a. in Unsicherheiten im Umgang mit autonom entscheidenden bzw. handelnden Maschinen, in neuen Formen psychischer Belastung in hochautomatisierten Arbeitsumgebungen, in einseitigen emotionalen Bindungen zu Maschinen oder in der Bedrohung des Selbstwertgefühls angesichts der Übernahme persönlicher Kompetenzbereiche durch Roboter und KI-Systeme.

Neben Ängsten vor dem „Ersetzt werden“ und die Substitution „menschlicher“ Kompetenzen durch Technologie sind auch Vorbehalte gegenüber der Abhängigkeit von Maschinen.

Auf Rat vom Rat

Die erwähnten Risiken sind durch geeignete Maßnahmen zu verhindern oder abzufedern. Es ist dazu auch notwendig, bestehende und neue Entwicklungen in Robotik und KI im Hinblick auf psychologische, soziale und soziokulturelle Implikationen für die ÖsterreicherInnen zu bewerten und die damit verbundenen Chancen und Risiken abzuschätzen.

Auch die Frage der Rechtpersönlichkeit von Robotern wird weiterhin zu verfolgen sein. Vorerst wichtiger allerdings ist die Formulierung von Regeln und Standards für den Robotereinsatz, um Haftungsfragen zu determinieren.


Bewusstseinsbildung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Robotik und KI sind Themen, mit denen sich die Menschen schon seit langer Zeit beschäftigen. Hohe Bekanntheit wurde vor allem durch Narrative der Science-Fiction erreicht. Viele Menschen haben kein detailliertes Wissen zu diesen Technologien und sind daher nicht in der Lage, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Das „Nicht-Verstehen-Können“, gepaart mit Science-Fiction-Informationen aus der Vergangenheit und wenig sachlicher Information in den Medien öffnet viel Raum für Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung. Es verwundert daher nicht, dass die Intensität der Diskussion möglicher negativer Auswirkungen auf unser zukünftiges Leben die des Diskurses über zukünftige Chancen vielfach übersteigt.

Um die Zukunft mit diesen Technologien sinnvoll gestalten zu können, ist es dringend notwendig, den Menschen seriöse und umfassende Informationen bereitzustellen.

Auf Rat vom Rat

Im Rahmen der BürgerInnenbeteiligung sollten möglichst rasch Maßnahmen entwickelt werden, die dazu geeignet sind, Menschen in Kontakt mit Robotik und KI-Technologien zu bringen und sie über ihre Potenziale, aber auch Gefahren zu informieren. Erste Maßnahmen dazu wären etwa österreichische Kindergärten und Schulen in Form von Lehrausgängen Zugang zu entsprechenden Forschungsstätten zu verschaffen. Dafür sind Universitäten und Forschungseinrichtungen entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sind weitere Formate zu entwickeln, die eine frühzeitige Berücksichtigung und Einbeziehung aller Stakeholder ermöglichen.